Wenn IT und Fachbereich nicht mehr miteinander reden
Ein Projekt, 14 Monate alt, dritter verschobener Release. Im Steering fällt der Satz, den ich seither sammle: „Mit denen kann man nicht arbeiten.“ Beide Seiten sagen ihn. Über die jeweils andere.
Der Fachbereich ist überzeugt: Die IT liefert nicht. Die IT ist überzeugt: Der Fachbereich weiß nicht, was er will. Beide haben Excel-Listen als Beweismaterial. Beide haben recht — und beide lösen das falsche Problem.
Der Konflikt ist nicht die Störung. Er ist die Diagnose.
In der ersten Klärungssitzung (getrennt, vertraulich) zeigt sich das eigentliche Bild: Es gab nie ein gemeinsames Zielbild. Der Fachbereich hat ein Produkt bestellt, die IT eine Plattform gebaut — beides steht so in keinem einzigen Dokument, aber in jedem Kopf. Und darunter: die Angst der Fachseite, bei Go-live die Verantwortung für ein System zu tragen, das sie nicht versteht.
Das ist der Punkt, an dem Eskalations-Mails nichts mehr klären. Strukturierte Konfliktklärung schon: Zwei gemeinsame Termine, klare Regeln, keine Schuldfrage. Am Ende standen drei Vereinbarungen:
- Ein Zielbild, ein Satz — von beiden Seiten unterschrieben, im Wortsinn.
- Eine Entscheidungsregel — wer entscheidet was, bis wann, und was passiert bei Patt.
- Ein Eskalationspfad, der nicht wehtut — Eskalation als normaler Arbeitsschritt, nicht als Kriegserklärung.
Vier Wochen später lief der Release. Nicht, weil jemand schneller programmiert hätte — sondern weil niemand mehr gegeneinander arbeitete.
Was das kostet — und was es kostet, es zu lassen
Studien beziffern Konfliktkosten auf bis zu 20 % der Personalkosten; Führungskräfte verbrennen 30–50 % ihrer Zeit mit Reibung. Zwei Klärungstermine sind dagegen ein Rundungsfehler.
Die Kurzfassung: Wenn zwei Bereiche nicht mehr miteinander reden, ist das keine Charakterfrage. Es ist Information über das System — man muss sie nur lesen wollen.
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